Klimawandel kommt Zecken zugute

Pilzewanderer 8. Mai 2012 - 15:00

Klimawandel kommt Zecken zugute
Wer hierzulande das warme Frühlingswetter genießt, denkt ungern an die Schattenseiten des Klimawandels. Dass die Temperaturen durchschnittlich steigen, hat weltweit Folgen. Das Abschmelzen der arktischen Polkappe, die Zunahme von Wetterextremen sind deutliche Anzeichen. Daneben gibt es jedoch klimabedingte Veränderungen direkt vor unserer Haustür: Zecken sind dafür ein Beispiel. Sie sind in Mitteleuropa auf dem Vormarsch. Warum das so ist und welche Klimafaktoren Einfluss auf diese Entwicklung haben, untersucht eine Forschergruppe um Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Löffler-Institut mit einem Forschungsauftrag des Umweltbundesamtes.
 
Auswirkungen weltweit
„Erwärmung allein ist nicht Klimawandel. Es müssen Auswirkungen in Folge der globalen Erwärmung hinzukommen, damit tatsächlich von einem Klimawandel die Rede sein kann. Deshalb haben wir die Veränderungen in der Ausdehnung der weltweiten Klimagebiete genauer untersucht“, erläutert Gerstengarbe, „Anhand von meteorologischen Daten und Vegetationsparametern lässt sich feststellen, wie sich die Ausdehnung der einzelnen Gebiete seit 1901 verändert hat. Da sehen wir dann in den letzten 15 Jahren erhebliche Verschiebungen: Die Wüsten nehmen aktuell dramatisch zu und die Permafrostgebiete dramatisch ab. Diese Änderungen fallen nicht mehr unter die normale Schwankungsbreite,die das Klima aufweist.“
 
Auswirkungen in Deutschland
In unseren gemäßigten Breiten sind die Auswirkungen nicht so extrem, jedoch bemerkbar: „Innerhalb der letzten 60 Jahre hat die Jahresmitteltemperatur in Deutschland um mehr als ein Grad zugenommen – und das ist ein ganze Menge!“, so Gerstengarbe. Die Folgen sind: mildere Winter und wärmere Sommer. Beispielhaft weist der Experte darauf hin: „Wir haben mittlerweile Tropentage in Regionen, wo das vorher nicht beobachtet wurde – also Tage, in denen die Nachttemperatur nicht unter 20 Grad sinkt.“ Hinzu komme, dass im Winter mehr Niederschlag falle und die Sommer gleichzeitig trockener geworden seien. Davon sei der Osten Deutschlands stärker betroffen als der Westen. „In den nächsten 20 Jahren wird sich diese Tendenz noch deutlich verstärken – selbst wenn der weltweite CO2-Ausstoß reduziert würde“, gibt er zu bedenken.
Indikator Zecke
Zecken können als Indikator für den hiesigen Klimawandel gelten. Aus diesem Grund untersucht die Forschergruppe an ausgewählten Standorten die klimatischen Einflussfaktoren. „Dass sich die Zecken im Moment deutschlandweit ausbreiten, steht zweifelsfrei fest. Wir haben inzwischen Zecken in Gebieten, wo vor 20-30 Jahren kaum welche aufgetreten sind und jetzt sind sie in Mengen da“, erläutert der Wissenschaftler. Die Zahl der FSME-Risikogebiete bestätigt diese Beobachtung. Diese hat sich seit 1998 von 63 auf heute 137 betroffene Stadt- und Landkreise mehr als verdoppelt – Tendenz steigend. Das Robert Koch-Institut empfiehlt allen, die hier wohnen, arbeiten oder Urlaub machen, die vorbeugende Schutzimpfung.
Dass der Klimawandel Einfluss auf diese Entwicklung hat, gilt unter Experten als gesichert. Jedoch muss noch geklärt werden, wie groß dieser Einfluss ist.
 
Zecken-Warnsystem der Zukunft
Das Ziel der Wissenschaftler ist es, die Zeckengefahr genauer nach Region bestimmen zu können und konkrete Warnungen herauszugeben. Dazu Gerstengarbe: „Wenn wir den Zusammenhang gefunden haben, können wir auch Szenarien für die Zukunft erstellen und zeigen, in welchen Regionen das Risiko besonders steigt. Dazu müssen wir allerdings erst herausfinden, welche Parameter auf die Zecken besonderen Einfluss haben: milde Winter, Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit und Temperatur sind einige davon. Ich gehe aber davon aus, das wir in zwei bis drei Jahren wirklich Warnungen für bestimmte Regionen herausgeben können.“
 
Quelle: http://www.zecken.de/

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